Leseprobe

Heinz Hankammer

Eine Idee erobert die Welt
Die Lebensgeschichte des Unternehmers
Heins Hankammer

»Versuchsreihe«
Mörfelder Landstraße

Ungefähr zur gleichen Zeit sah ich geschäftlich wieder Licht am Ende des Tunnels. In dem Labor, das im Auftrag der Taeros den Reservereifen entwickelt hatte, bemerkte ich eines Tages ein Gerät an der Wand, das meine Neugier weckte.
»Was ist das für ein Ding?«, fragte ich den Chemielaboranten Bernd Peter Sauer.
»Ein Ionenaustauscher. Eine Apparatur, mit der du demineralisiertes Wasser herstellen kannst«, erklärte der Ingenieur. »Das Ding macht aus Leitungswasser chemisch reines H2O!»
»Muss man das Wasser dazu nicht destillieren?«
»Ach was«, erwiderte Sauer, »wir produzieren ja keinen Brandy. Das ist viel zu kompliziert. Es funktioniert auch ohne Verdampfen. Über Ionenaustausch, das erspart die Destillation.«
Er erläuterte mir die genaue Funktionsweise des Gerätes, das in der Chemiebranche und in Medizinlabors längst die aufwändigen Destillierapparate verdrängt hatte. Zudem war diese Methode, reines H2O zu gewinnen, wesentlich billiger als das herkömmliche Verfahren. Nur der Ionenaustauscher musste regelmäßig regeneriert werden, damit er das Wasser zuverlässig filterte.
Noch an Ort und Stelle drängte sich mir die Frage auf: Warum gibt es das nicht an Tankstellen?! Durch meine jahrelangen Kontakte wusste ich, dass zu deren Serviceleistungen auch die Wartung von Autobatterien gehört. Und für diese kostenlose Dienstleistung benötigten die Tankstellen destilliertes Wasser, um die Batterien im Bedarfsfall aufzufüllen. Im glücklicheren Falle hatten sie eine Brauerei in der Nähe, die ihnen umsonst das Abfallwasser überließ. Die schlechtere Alternative waren Apotheken, die sich das destillierte Wasser teuer bezahlen ließen.
Offenbar war dieser Mangel noch niemandem aufgefallen. Jedenfalls war bisher keiner auf den Gedanken gekommen, ein Gerät anzubieten, mit dem Tankstellen oder Auto-Werkstätten ihren Bedarf an destilliertem Wasser selbst decken können. Eine Idee war geboren: Ich wollte genau in diese Lücke treten und ein solches Gerät entwickeln, den Bedürfnissen der Branche angepasst.
In Deutschland gab es Mitte der sechziger Jahre etwa vierzigtausend Tankstellen und zwanzigtausend Werkstätten. Das bedeutete: sechzigtausend potenzielle Kunden allein im eigenen Land! Hinzu kam ein attraktives Nachgeschäft – die Filter mussten regelmäßig regeneriert werden.
Ich machte mich kundig. Die Geräte für die Pharma- und Laborbranche kosteten auf dem Markt etwa dreihundert Mark. Das schien mir unangemessen, angesichts der Tatsache, dass die Herstellungskosten um die zwanzig Mark lagen.
Ich ließ den Prototyp eines solchen Gerätes anfertigen, der einfach zu handhaben war. Damit fuhr ich nach Frankfurt. Allein an der Mörfelder Landstraße gab es schon zu dieser Zeit ein knappes Dutzend Tankstellen. Ich klapperte sie nacheinander ab und erklärte den Betreibern, dass sie ihr destilliertes Wasser ab jetzt selber herstellen könnten.
Die Leute an den Tankstellen standen meiner Erfindung ungeheuer aufgeschlossen gegenüber und bescheinigten mir ihr Kaufinteresse. Ich stellte einen Kaufpreis von von knapp einhundert Mark in Aussicht.
Je mehr ich mich dem Zentrum Frankfurts näherte, desto deutlicher stand mir vor Augen, dass die Zeit der wirtschaftlichen Bedrängnis bald ein Ende haben würde.

Die Produktion der ersten
Aquadematen – so hieß das neue
Gerät zur Herstellung demineralisierten Wassers - startete im Sommer 1967,
im Garten unterm Birnbaum.

Werben erlaubt: Namensgeberin Brita Hankammer vor einem Reklameballon der Firma BRITA, neunziger Jahre

Zündende Idee auf Teneriffa

Im August 1968 hatte meine Frau unseren Sohn Markus zur Welt gebracht. Im Jahr darauf holten Monika und ich unsere Hochzeitsreise nach. Ohne Kinder reisten wir für drei Wochen nach Teneriffa.
Da wir beide keine typischen Urlaubsmenschen sind, hatten wir bereits nach einer Woche die Nase voll vom Müßiggang. Nur am Strand in der Sonne zu schmoren, war uns einfach zu langweilig. In Gedanken kehrte ich zurück an meine Arbeit und wälzte in meinem Kopf alle möglichen Zukunftspläne.
Das größte Kopfzerbrechen bereitete mir dabei der gescheiterte Haushaltswasserfilter. Der Markt für einen solchen Filter schien ungleich attraktiver, als der für den Aquadematen je sein konnte, denn Haushalte gab es weit mehr als Tankstellen und Auto-Werkstätten. Ich musste einen Weg finden, der zum Erfolg führte!
Ein Grund für das mangelnde Interesse an dem von mir entwickelten Haushaltswasserfilter bestand vermutlich in dem hohen Preis. Das Gerät sollte hundert Mark kosten, was viele Interessenten abschreckte.
Ein zweiter, weit wichtigerer Grund kam hinzu: Der Filter musste wie der Aquademat installiert werden, was wohl den meisten Hausfrauen zu aufwändig erschien. Das Filtern an sich durfte keinen zusätzlichen Arbeitsgang verursachen.
Der entscheidende Einfall kam mir, als ich überlegte, was die Hausfrau macht, wenn sie Wasser für die Kaffeemaschine braucht: Sie nimmt ein Gefäß, füllt es unter dem Wasserhahn, geht damit zur Kaffeemaschine und gießt das Wasser hinein. Auf diesem Weg, so mein Gedanke, müsste das Wasser gefiltert werden. Das Gerät durfte demzufolge nicht fest installiert sein. Im Gegenteil: Der Knackpunkt war seine Mobilität.
Der Rest war einfach: Man benötigte einen Topf, in den man Leitungswasser einfüllt. Das Wasser läuft durch einen Filter. Unten wird das gefilterte Wasser aufgefangen.
Der BRITA-Haushaltswasserfilter war erfunden. Ungeduldig fieberte ich dem Rückflug nach Deutschland entgegen.

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